[SPORT] Planung für 2017

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In den letzten Tagen habe ich mir Gedanken über die sportlichen Fixpunkte für das nächste Jahr gemacht. Das Ergebnis seht ihr hier:

Sport Planung 2017
Sport Planung 2017

Anstelle des letztjährigen Eisbärencups gönne ich mir nächstes Jahr die Vienna City Marathon Winterlaufserie mit drei Halbmarathons im Jänner, Februar und März.

Ein weiterer Fokus liegt auf Hindernisläufen, insbesondere den X-Cross Runs, und dem City Attack in Amstetten. Den habe ich dieses Jahr absolviert und in sehr guter Erinnerung behalten.

Ein Fragezeichen schwebt noch über dem Über Drüber Marathon und dem Waldviertler Eisenmann.

Auch die beiden Europamarathons für nächstes Jahr habe ich mit Belgrad und Lissabon fixiert.

[LAUFBERICHT] Zagreb Marathon 09.10.2016

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Der Zagreb Marathon sollte derjenige sein, bei dem meine persönliche Bestzeit fällt. Derjenige, bei dem ich das Potential, das ich in mir spüre, voll entfalten kann… Sollte und hätte sein können. War aber nicht.

Am Tag der Anreise, zwei Tage vor dem Lauf, begannen die Erkältungssymptome: Husten, Schnupfen, Heiserkeit. Okay, Heiserkeit nicht, dafür aber eine gewisse Ermattung.

War die Vorbereitung umsonst? 730km Training in 16 Wochen für nichts? Nein, Training ist nie umsonst und auch wenn einerseits klar war, dass ich nicht nicht antreten werde, so war mir andererseits auch klar, dass ich mein Zeitziel nicht erreichen werde. Weder erreichen kann, noch erreichen will. Gesundheit geht immer vor.

Daher habe ich mich entschlossen, den Lauf nach Gefühl anzulegen, immer nur die Geschwindigkeit zu laufen, bei der ich mich noch wohlfühle und nichts zu riskieren. 42,195km können lang sein.

Um Schlimmerem vorzubeugen bin ich auch noch mit Windstopper-Jacke gestartet, die mir abwechselnd viel zu warm war und dann jedoch wieder ein Segen, wenn der phasenweise recht muntere und frische Wind durch die Gassen von Zagreb wehte.

Zagreb Marathon 2016
Zagreb Marathon 2016 Start

Erstaunlicherweise, und obwohl ich mich eigentlich bereits nach rund 5 Kilometern müde gefühlt habe, war die erste Hälfte des Laufs fast nach Zeitplan. Bei der Halbmarathonmarke stand 01:37:07 auf meiner Uhr, nur knapp drei Minuten langsamer als ursprünglich geplant.

Danach aber musste ich den gesundheitlichen Umständen Tribut zollen, das Tempo deutlich drosseln und etliche Huster und Schnupfer später kam ich nach 3:43:59 ins Ziel, zwar mit einer gewissen Anstrengung aber ohne Qualen. Dass ich über die Umstände und die Performance nicht glücklich war, zeigt das wunderbare Zielfoto…

Zagreb Marathon 2016
Zagreb Marathon 2016 Zieleinlauf

Der Lauf an sich war prinzipiell gut organisiert  auch wenn das Zelt der Kleiderabgabe etwas knapp bemessen war und es trotz überschaubarer Teilnehmeranzahl zu einem ziemlichen Gedränge gekommen ist. Die Verpflegung an der Strecke als auch im Ziel war für mein Empfinden ausreichend. Dass just dann das Bier ausgeht, wenn ich an der Reihe bin, ist höhere Gewalt. Wäre ohnehin nicht gut gewesen für mich an diesem Tag… Die Helfer waren durchwegs freundlich und hilfsbereit.

Ein ganz großer Kritikpunkt allerdings der völlig inakzeptable Zieleinlauf, beziehungsweise die Überschneidung der ersten Runde hin mit dem Zieleinlauf als auch der ersten Runde retour; sprich: an diesem gordischen Knoten mussten viele schnellere Läufer, die bereits Richtung Ziel abbiegen wollten, durch einen Pulk aus  langsameren Läufern, die gerade erst Kilometer 15 bzw. Kilometer 37 passierten.

 

[Lyrik] hautentfremdet

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hautentfremdet

hautentfremdet: deine
zunge im
eifrigen mund, der
spuckt worte aus,
geschärft über trocken-
gesturmte lippen.

geschürft war: deine
haut, dein verständis
gekratzt; du: verhärtet,
doch rissig.

lass mich sickern
durch deine
sturmvergrämte haut,
von innen wirken
lass mich
wie nektar, süß
dich erfüllen; heilen
lass mich
was heillos
wund ist.

© jh 2002-2003

[Prosa] Venedig im Sommer

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Venedig im Sommer

„Venedig, hier, um uns, und Du.
Wenn ich Dich nur ansehe:
Wie Er schmeisst mit Grauen Blicken,
an der Zahl wie Fliegen am Hof, Verderber!“

Als wieder ein Schwall süsslichen
– „Wann fahren wir wieder?“ –
Gestankes mich befremdet;
während Wir –
Die Basislica di San Marco erdrückt mich beinahe mit ihrem entheissenden Schatten –
Wir: lassen uns schaukeln, über Wellen, Wir;
und dieses Plätschern, permament!

„Gerade erst gekommen, will Er bereits weg!
Ein Tag, gestohlen aus Märchen und …
(Hol mich doch die Hex, nein, halt: Sie hat mich schon.)
… Er! Will gehen. Sag, du hast nicht Kultur in Dir, oder Doch?“

Von Kultur spricht Sie, die Schauerin, die blickverzehrende
Saugerin von Dort-waren-Wir-auch-schon-Örtlichkeiten.
„Ich wollte nach Portugal.“ Was schon ist KulTur?
Systematisierte ZerStörung von NaTur. Was ißt Kultur?
Kulturen! Konturen von den Absorbierten finden sich unversehens
in manch dunklen Gassen, an Wegkreuzungen, in Museen.
Kultur und Sie, die Blitzlichthexe.

„Sieh doch, wie sich die Strahlen brechen,
der Sonne, dort an der Spitze, sieh doch!“

Lieber in die Fluten gehen! Staunen würde Sie, Sie traut mir das sicher nicht zu. Ab- und untertauchen lassen in die Kanäle; tragen lassen von den Wassermassen, die sanften Kräfte entweisen ins Meer, natürlich: das Meer!

Venedig im Sommer, wie feucht doch ein Grab sein kann.

© jh 2002-2003

[Lyrik] system kältetrauma

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system kältetrauma


akt I : gegenwartsblicke


durch hüllenlose steinwüsten

metropole in nacht getüncht
impressionistische farbflecken
flackern auf & brennen durch

der graue nachtschwärmer –
verlassen von ihrem du & es
& seinem ich im wir alle sie

kalte arme mit eisernen klauen
kratzen an seiner weißhaut &
reißen kleine spalten in steinquader

betonstahlriesen umzingeln
& beengen seitumwärts
die kleinen organismenschen

höhnende augenmengen starren
& tiefschwarze mäuler wispern
woher kommt das eis im geiste?

 

nebellungen

schattentanz & nebelgeister
neonlichter zerstechen die iris
werfen schleier über die welt

streifzüge unter glitzerketten
hohle egospiegel streifen
durch düsterdunkle gassen

nadelarme lungern leise
warten still auf antwort –
die frage wurde nie gestellt

rauchschwaden aus unter –
welt des gestern morgen
greifen heute nach den dürren

totentänzer balancieren
auf den eisenbalken die das
ewig endliche bedeuten

kleine wolfsjungen fressen –
reißen andersfleisch entzwei –
zerfetzen das bin ich nicht!

rotaugenblut ausgespuckt
aus napalmlungen tiefster
grund – der tod des zeitlich

gebückt unter wenigkeiten
hasten hoffen glaubensmüde
auf riß im zeitraumkontinuum

welpenleichen vom rattenkönig
zerfleischt – sieg über uns andere
nebeltanz & schattengeister

 

geschwür

poesiegeschmier
an dreckigen
u-bahn-schächten

künstlerpack
im dunkelgrauen
untergrund

zukunftsvisionen
an rotbraunen
eisenbahnwagons

stahlkolosse –
blechgeschosse
& genosse angst
im augenweiß

wo ist leben?
wo ist wahrheit?

an geschlachteten
litfassäulen –
im milchigen leib der
nackten hure –
in junkienadeln –
weinflaschen –
bücherleichen?

poesiegeschwüre
im dunkelgrauen
untergrund

 

flucht nach

die götterbauten sind
leergefegt – oxidierter
sakralmüll & zersetzende
gebetsbücher

die konsumtempel sind
aufgefüllt – glamouröser
modemüll & rasante
extaseträger

die wissenräume sind
vergammelt – statische
nichtdenker & lethargische
nichtlenker –

der wollende
seht frei –
zum abschuß –
flucht nach
zurück


akt II : zukunftsblicke


wegfährten

einbahnstraßen
keine wiederkehr
nur wiederholung
im kreisverkehr
gefangen

erkenne mich selbst
nicht mehr
habe mich verloren
was soll ich tun?
brandstifter der ewig brennenden fragen
moral und ethik und gewissen
puppenartige tänzer zwischen den sphären
hier und jetzt und gestern
weggefährten auf dem gang ins sanatorium
gut und böse und gesetz

 

grüne lunge atemlos

blattwirrwarr
astgeflecht

motorheulen
treibgasluft

grün
ein abnormer
punkt
auf dem
stadtplan

 

gedankliche nichtexistenz

eine parkbank –
altblätternde farbe
ohne kenntnis ihrer selbst
zwei buchen –
flankenartig engend
spinnen knorrige netzdächer

ich sitze –
vergessene bucht
der absoluten melancholie
weites feld –
karge trostlosigkeit
begrenzt durch nebeliges nichts
nicht weitergehen
nicht zurück
stehend im jetzt
zurück vergeht
vorwärts lockt
konfuse quälerei
meine haut
beinahe eisig erstarrt
dunkelblaue
greifinstrumente streiken
hoffen auf das leidlose ich

ein sitzender –
gesenkter hirnschrein
ohne kenntnis seiner selbst
zwei geister –
flankenartig engend
spielen mit zu großem einsatz

 

wegloses irren menschlicher perfektionen

panik
rausch panik
panik rausch
rausch

ziel
außer augen
augen außer
augen

ziel
los!

 

gruß des hoffnungsschlägers

ausgespuckte weisheitstürme –
heimatlos & kampf ums hier
thront auf einem müllberg stolz
der mann der stets nur lebte

nicht wer bin ich nicht
wer war ich nicht
wer soll ich sein
was soll ich tun

nichts als nichts
das dunkle ziel – das nebellos
gezogen

nicht das nichts
das moderpack – im treibsand
verloren

nicht denken
was soll ich denken
nichts als denken nichts
als weitergehn und nichts
als nicht umdrehen
nicht denken

 

spiegelbildnis

das kleine loch
in einer mauer aus grell
eröffnet mir unterschlupf in schwarz
so spärlich morbid
in perfider art des grauens
im hirn des eisdenkers

spiegel-
bildnis eines egolosen ichs
wasseruhr als zeitobjekt
der immer größer werdende
eisbrocken auf dem grauen boden
zeugnis der vergangenheit

ich bin nichts
mein leben ist nichts wert
was bin ich denn im steten fluß
der aktionen und reaktionen
und revolutionen und aggressionen
und multiideologischen kopulationen?

mein leben ist ein eisobjekt
im schmelzen begriffen
zum schmelzen auserkoren
ich bin die schmelzende seele
ich bin eis
eine skulptur
aus
eis

 

schattenwand

komm zu mir
reiche mir die hand
und führe mich in die schatten
nimm mich mit
tod – teufel – frau in weiß
ein kuß nur und ich sterbe gern
ein kalter gruß
absolution für leben
der eingang in die vergessenheit

 

starre

es ist
so kalt
hier so
kalt und
es ist nicht
es ist wie
gletscher
eis das
langsam
fließt
doch
friert
es ist
starre

 

kälte weiß

nichts mehr fühlen
können – wollen –
müssen
blauschwarze ober-
fläche – haut
gestählt
gedankenkreis durch-
brochen – kein
spiralband
nur mehr eiskristall
gedankenfraß
hauchstille
die frau in weiß hat
mich erhört &
ich warte
nicht mehr lange auf
das leidlose Ich
es ist nicht
es war

wenn die kälte nicht mehr weiter weiß


© jh 1997-2003 [Lyrik] system kältetrauma weiterlesen

[Lyrik] ihr dichter!

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ihr dichter!

ihr dichter,
die ihr bläut so kryptisch,
wie liebt ihr doch
verdachte nächte!
wie ihr wiegt
die schatten, rhythmisch;
und eure gläser roten weins!

ihr dichter,
die ihr blauäugt arglos,
wie schwelgt ihr
doch in hellem licht!
wie ihr trinkt
so blumend sorglos,
aufs faktum eures dichterseins.

ihr dichter,
die ihr nebelt magisch,
wie fläut ihr doch
im nachtverschlag!
wie ihr ritzt,
erpicht archaisch;
mediävale zeichen ein.

ihr dichter,
die ihr blickt so zeitlos
wie geilt euch doch
das altbewährte!
wie ihr wandert,
stumpf und scheulos,
auf pfaden einst’ger wanderein.

© jh 2002

[Lyrik] italienische reflexionen

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italienische reflexionen

deine schmerzlich schöne melodie
hat sich in meiner rinde eingenistet
und treibt ihre spitzen wurzeln
weiter in die untiefe meines ichs

unter fließenden lichtperlen
hast du sie lächelnd gesummt
und als sie linkswärts abtauchte
stand ich dort und sog sie auf

nun verschwimmen meine welten
und ausgeraucht schleichen leere
erinnerungen hinter mir her
wie träume im morgentaumel

– du hast deine zigaretten vergessen

ich habe die zeit gezählt
die auf den schäbigen
tapeten meines hotelzimmers
auf und abwärts kroch

unter venezianischen brücken
treibt die letzte blüte der saison
ich spinne graue spiegelbilder
im trüben wasser und wünsche
ich wäre ein stachel in deinem fleisch

– verinnerlicht von dir

flüchtige blicke zu dem abgewetzten himmel
erhasche ich durch sihouetten verwahrloster
herrenhäuser deren oberfläche genau so
abgebröckelt ist wie meine innenseite angenagt

und sie nagt weiter
höhlt mich stetig
weiter aus
baut höhlen
in mir
legt eier –
larven schlüpfen
genährt von
gedankenbrocken

in enggerückten gassen
kann dir der himmel nicht
den kopf verschleiern

die nähe der kalten mauern
wohl aber die brust schnüren
und den geist engen
und die augen schärfen:
das ziel hinter der biegung

– entrückt schrittlich weiter aus dem sichtfeld

du die flüchtige
lauerst hinter jedem strauch
in parks fern von menschen
in kirchen fern von glauben
in booten fern von kurs

– eine theatralische träne vor dem haus goethes
– fällt kopfüber in flüsterndes wasser
– vermischt sich mit den seufzern von jahrhunderten
– die mir die worte aus dem mund entwenden

ein letztes augenzwinkern
werfe ich dir zum abschied vor die füße
deiner geisterhaften gegenwart
die sich ein unabwendbar letztes mal
in meine netzhaut säuregleich brennt

– ich winke einem schatten zu
– der über eine hauswand schneit

und dann
schmerzhaft schnell

der dramatische schneevorhang
am ende des dritten aktes

ich lasse dich dort
bei palästen und
heiligen plätzen

dort gehörst du hin

© jh 2002-2003

[Prosa] la niebla roja

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la niebla roja

der Zug quietscht und zittert, als er in den Bahnhof einfährt; dunkel, dämmrig, Rauchschwaden und fahle Beleuchtung. viele hektische Menschen, aschgraue Gesichter, ausdruckslos, gestenfrei drängen sie sich durch sich selbst hindurch, hinweg zu etwas Dringendem. die Stadt selbst Einöde, Betonbunker und wenig Licht, Smog, Gase, abGase und Rauch aus Fabrikschloten. das Zentrum pulsierend, neonLicht, grün, gelb, blau, rot, rot, rot … ROT

der rote Fluß umspielt die Stadt wie ein Seidenschal den schlaffen Hals einer ehemaligen Schönheit aus einem heruntergekommenen Bordell … riesige menschenfressende Fische; schwarze Quallen sondern Gift ab und kleine Fischerboote werden von gigantischen Kalmaren zerquetscht … der lebende Nebel aus dem Fluß strömt gnadenlos seinen Opfern entgegen und zersetzt zuerst ihre Lungen – sie husten noch drei Mal und spucken Blut und fallen dann um; ohne innere Organe, nur mehr Hauthülle und Knochengerüst … irgendwann wird es der Nebel schaffen auch die Knochen zersetzen zu können; dann gnade uns der rote Fluß oder wir sind auf ewig sein.

Er steigt aus, hat eine alte Tasche, sieht heruntergekommen aus. eingefallene Wangen, schwarzumrandete, graublaue Augen, fettige, stähnige Haare, ausgewaschene schwarze Jeans und eine zerrissene Jacke aus sprödem Leder… geht ziellos umher, raucht in kurzen, heftigen Zügen eine Zigarette … eine Zigarette? … die Menschen verschwinden, Er alleine in der tristen Bahnhofshalle, graues Licht, schmutziger Steinboden und besprayte Betonwände … „NO HOPE“ … „beon lom“„state of mind : INSANITY“
ein alter verrosteter Wagen hält stotternd … Er steigt ein, muffige Luft, ZigarettenRauch, auf dem Boden leere Bierdosen, Zigarettenstummel, Flaschen und zertretene Chips … „wo wohnst Du?“ „nicht weit von hier“ … lange Fahrt, es wird kaum gesprochen, auf der Stadtautobahn wird der untergegangenen Sonne hinterhergejagt, geisterhafte ScheinWerfer rasen auf der falschen Seite des Himmels und der Straße, links und rechts dunkelgraue GebäudeLeichen, Fabrikhallen, Glashäuser mit eingeworfenen Scheiben, von unKraut überwucherte leere Parkplätze, ausgebrannte Autos, zerbombte Traumhäuser …
„was machst Du heute?“ „nichts. kannst bei mir wohnen, so lange Du willst.“ will Er? ja, Er will. steigen aus, der Verputz des Hauses fällt schon überall ab, schwarze FensterAugen, abblätternder schleimgrüner anStrich, die Eingangstür aus schwerem Holz, wurmzerfressen … die enge alte steile Treppe hinauf (zum grellen staubversetzten licht am ende des wendeligen aufGangs) zu einem kleinen Zimmer, zuFluchtsstätte der reisenden Irren und statisch Flüchtenden … alles, nur kein helles LICHT! die Jalousien geschlossen oder schmutzige, spermabefleckte blutverschmierte Leintücher als vorHänge, verkrustetes Geschirr, braunes Wasser aus dem lebenden Ausguß („spiel mit mir, Junge, mein Durst ist mörderisch„) … Insekten, Spinnen und Termiten, groß wie Leguane, verschwinden schneller als der flüsternde Windhauch, der muffige Luft vor sich hertreibt… kein Morgen, nur heute, nur Jetzt! gib mir was und lebe mit mir, nur EINmal, nur einmal, für immer und ewig und ewig und …… flüchtendes Leben, der Tod war gestern und ist MORGEN. ALLES, nur kein helles LICHT! oder schlechte Reisen ans andere Ufer der wahrNehmung..

enge, dreckige Straßen, schlammige Rinnsäle an beiden Seiten, Ratten kämpfen um Kotze und dreibeinige Hunde kläffen ihr armseliges Leben aus dem kranken Leib… mehr noch Mensch als Ich es je war… gib Mir das ewige Verlangen nach mehr! gib Mir den ewigen Zustand – den ewigen Rausch … gib Mir mehr, gib Mir, gib!
eine kleine Tür, aus der große, heftige allumfassende Musik dröhnt – GIB MIR MEHR! – das Schild („Ei gang“) hängt nur mehr an einer Schraube (hing es je an mehr?) verrostet und verbeult, der Türgriff, der Spalt, die Öffnung, das Leben in sich … Ich gleite hinein und werde von der pulsierenden Masse mitgerissen, eingeführt in einen Traum bester Qualität … viele Stiegen ins Nichts und ins All, Türen nach und von nirgendWo und über-All. innerlich und außen gleich, das ganze Spektrum des Seins, hier, JETZT! GIB MIR MEHR!
das Verlangen stellt sich ein, umklammert Mich und hält Mich fest … Ich werde eingezogen, rekrutiert für die Armee der selbstgerechten Spinner – gerneral Chaos befiehlt mir: „geh dort rüber und frag sie, dring in sie ein, w.erde sie, Du bist Sie!“ Ich muß gehorchen – Ich bin Er, Sie Wir Alle sind, Wir SIND sind.
Sie lächelt schleimig, hübsch und geil, schleckt Ihre Lippen ab, speichelfäden auf der Brust und zwischen den ..lippen, fragt „DU WILLST?“ und gibt – Sie kennt die Antwort – es gibt nur EINE Antwort…. „was machst Du?“ „verkaufe Mein nichtLeben an die, die nicht leben … niemand lebt wirklich, Sie vegetieren, Tiere, wie in Zwingern aus Luststahl und Vaseline eingepfercht … Er.leben ist nur Illusion, Du bist nicht, Ich bin nicht, Wir SIND nur … kenne keine Skrupel, wenn es darum geht JA zu sagen … nimm …“ Sie geht und läßt den typischen tyrannischen Geruch zurück, den Geruch des Danach und des Davor, Dazwischen nur die erInnerung an wie-es-sein-könnte-wennnn … GIB MIR MEHR! – Sie gibt …

Waschraum – groß und ungemütlich, schwarz-weiße SchachbrettFliesen, glänzen, leben, bewegen sich zum Takt meines Herzschlages … bumm – tiefer ins Ich – bumm-bumm – Gefangener des Ja -schau nicht in den Spiegel, schau NIE IN DEN SPIEGEL … tu es nicht! BUMM-BUMM-BUMM „Das Bin Nicht ICH!“ schreit Er und „DAS bin nicht ICh!“ „Das KANN nicht Ich sein!“ schreit Er und schlägt verzeifelt auf den Spiegel ein, bricht nicht … „doch, das bist Du!“ brüllt das spiegelBild und schluckt den Betrachter – GIB MIR MEHR! … die Frauenkatze auf dem Boden (Tigerkatze, grau-weiß-braun) räklet sich und streckt sich, gähnt und wird zu einem Mosaik aus Fleisch und Fellquadraten, schnurrt und der Spiegel saugt sie ein

die Höhle außerhalb der Zeit …
vier alte abgemagerte Musiker spielen nackt auf unbekannten afrikanischen Insrumenten April in Paris und 7 junge Mädchen helfen beim masturbieren … Opiumduft und drei Makakiaffen tanzen den Twist … Ich stehe dort und denke (nicht!) … das Leben ist ein Fluß und Meiner steht still … feinste Nuancen von außerhalb der Zeit .. der SchmetterlingsEffekt der Stille – alleszerstörerische Urgewalt … der Lauf der Dinge ist angehalten, die Sonne strahlt nicht, ist nicht, war nicht … nichts ist Zeit, Zeit ist Nichts … NACHT als Weg zum Universum? Nebel kommt und Ich LAUFE; la niebla roja kommt und zersetzt alles! stärker, schneller, leiser als je zuvor; aber Ich laufe und laufe; zurück (woher kam Ich?)

Morgendämmerung; der blechene Wurm wird immer länger und lauter und Ich gehe durch vergessene Parks, durch Menschen ohne Gesichtern hindurch und treffe absolut nichts und niemanden, den Ich kenne, kennen sollte, erkennen sollte (könnte), immer nur nach Gefühl (?) gehen, immer weiter, nur nicht denken, Du kommst schon an, wenn Du nur lange genug gehst; gehe eine Million Mal um die Erde und schon bist Du da, mach dir keine Sorgen, es gibt keinen Morgen, es gibt nur Jetzt und es gibt nur Jetzt und es gibt nur … „Du bist eine Gefahr für meinen Ruf, Ich habe einen guten Ruf, und Du machst meinen guten Ruf kaputt, Du Arschloch“ meint Er und setzt sich einen Schuß vor Meinen Augen und den Augen Seiner Mutter, die an einem akuten Entzug von Hoffnung stirbt .. „Du machst meinen Ruf kaputt“ „Ich habe keinen Ruf mehr“ „Meinen Ruf Machst Du KaPutt, Du kleines geiles Wesen!“ Er will Mich … Ich gehe … wieder … und der Mond fällt auf die Erde, zerquetscht Nichts, geht hindurch durch Alles, „Wir waren nie dort, Hollywood war dort und die Russen wissen nicht einmal, wie man … es ist alles nur ein Spiel …. spiel doch mit, Wir geben Dir das Geld! … Wir produzieren Dir den Andromedanebel… live und hautnah …
gehe weiter durch diese graue, durchsichtige Stadt mit ihren grünen Parks und kleinen, spielenden Kindern hinter hohen Hecken und Irrenhäusern und diesen Dosenfabriken für blutiges Fleisch und den kleinen Hunden mit wedelnden Schwänzen und den Aquarien mit Goldfischen und kleinen Muscheln und Perlen und Zigarettenwerbung und Polizeiautos und Ampeln und leeren Whiskeyflaschen und lebensmüden Strichgängern und irgendwann … GIB MIR MEHR! dann, wenn nichts mehr da ist, wenn alles vorbei ist und Alles zum Anfang gefunden hat, dann .

der Zug zittert und quietscht, als er in den Bahnhof einfährt. finstere, dämmrige Atmosphäre, rauchSchwaden und blinkende, nervende weiße Neonbeleuchtung. viele hektische Menschen, blutrote Gesichter, bösartig fluchend stoßen Sie sich selbst hinweg und hasten weiter, weiter zu etwas Wichtigem. die Stadt selbst ist Einöde, riesige Betonbunker und wenig Licht, Smog, Gase, abGase und beißender Rauch aus halbverfallenen Fabrikschloten. das Zentrum pulsiert – Gallerte aus neonLicht, grün, gelb, blau, rot, rot, rot … ROT

der rote Fluß umfaßt die Stadt wie ein Seidenschal den laschen Hals einer ehemaligen Schönheit aus deinem heruntergekommenen Bordell, die der falsche Verehrer ins Bett geholt hat („Ich steh auf sowas, es macht Mir spaß, zu sehen, wie Sie sich wehren und wie Sie blau werden und die Augen herquellen und Sie pissen und Sie scheißen sich an und dann … ach…„) … riesige menschenfressende Fische springen aus dem Wasser und beißen Touristen mit roten Mützen die Extremitäten ab; und schwarze Quallen sondern Gift ab und der durstige Wanderer stirbt als Ihm der Magen zersetzt wird; und kleine Fischerboote voller Wartender werden von gigantischen Kalmaren zerquetscht … der denkende Nebel aus dem Fluß strömt unentwegt Seinen Opfern entgegen und zersetzt zuerst ihre Lungen – Sie husten noch zwei Mal und spucken Blut und fallen um, ohne innere Organe, und die Haut löst sich auf und die Knochen werden zu ekelhaft stinkendem Brei … irgendwann wird es der Nebel schaffen aus der Stadt auszubrechen, dann gnade Uns der rote Fluß oder Wir sind auf ewig Sein.

Er steigt ein, hat eine uralte Tasche, sieht sehr heruntergekommen aus. eingefallene Wangen, dunkelschwarzumrandete, graue Augen, fettige, stähnige weiße Haare, ausgewaschene, dreckige schwarze Jeans und eine zerrissene Jacke aus sprödem Leder… la niebla roja kommt!

© jh 2001-2003