Liechtenstein 2026 – Tag 2
Als alternative Aktivität zum 25. LGT Alpin Marathon hatte ich mir den Historischen Höhenweg auserkoren, der mit 16 Kilometern ausgeschildert ist und von Bendern bis nach Schellenberg an die österreichische Grenze und wieder zurück führt.
Erster Halt war die Ruine der Unteren Burg Schellenberg, die an sich kaum mit Superlativen wie „spektakulär“ beschrieben werden kann. Der Weg dorthin war jedoch aufgrund der Bergpanoramen äußerst wohltuend für das Auge. Die historisch bäuerliche Struktur der Region ließ sich an den Gebäuden gut ablesen, und immer wieder fanden sich selbst innerhalb der Ortschaften kleine Weiden mit Kühen oder Schafen. Mit wenigen Ausnahmen, die es wohl überall gibt, befanden sich Häuser und Gärten in einem äußerst gepflegten Zustand.
Die Maskottchen des kindgerecht gestalteten Wanderwegs, Wurz und Zirp, brachten nicht nur den jungen, sondern auch den alten Leuten – repräsentiert durch mich – interessante Fakten über Flora, Fauna und Liechtenstein näher. So wurde ich unter anderem daran erinnert, dass sich der Stammsitz des Hauses Liechtenstein im niederösterreichischen Maria Enzersdorf bei Wien befindet. Fotos von meiner Besichtigung kann der geneigte Leser hier finden.

Bei der Oberen Burg Schellenberg machte ich kurz Rast, bevor es durch den Mischwald entlang der liechtensteinisch-österreichischen Grenze zum Hinteren Schellenberg ging. Dort bietet sich ein interessanter Ausblick auf einen Ortsteil von Feldkirch. Wurz und Zirp brachten mir bei, dass sich hier noch vor 200 Jahren ein verlandeter Eiszeitsee befand, dessen Gebiet erst ab 1830 endgültig trockengelegt wurde.
Meiner Begeisterung über die naturnahe Gestaltung des öffentlichen Raums habe ich an anderer Stelle bereits Ausdruck verliehen. Hier möchte ich zusätzlich die vorbildliche Beschilderung sowie die Verfügbarkeit öffentlicher Defibrillatoren hervorheben. Dennoch noch ein paar Beispiele für die gelungene Gestaltung, die selbst bei der Errichtung einer uneinsehbaren Gartenmauer noch Platz für Sträucher und Bodendecker lässt.
Insgesamt legte ich gut 21 Kilometer zurück, kam am späten Nachmittag wieder beim Hotel an und verbrachte den restlichen Tag mit der Lektüre eines Dan-Brown-Thrillers. Dieser ist zwar einfach geschrieben, aber dennoch spannend zu lesen – auch wenn ich angesichts eines literarischen Stils, der stellenweise wie die Bildbeschreibung eines Hollywood-Blockbusters wirkt, zuweilen die Augen verdrehen musste.
Der Ärger über die Nichtteilnahme am Marathon hatte sich mittlerweile etwas gelegt. Mein Wille, wieder ins Laufen zurückzufinden, ist dagegen stärker geworden. Das Leichteste an solchen Zielen ist jedoch immer das Vornehmen, gefolgt vom ersten Schritt. Das konsequente Dranbleiben ist die eigentliche Herausforderung. Der Marathon selbst ist dann nur mehr die Konsequenz.


























