(Kein) 25. LGT Alpin Marathon Liechtenstein
Als ich mich am 29.12.2025 für den 25. LGT Alpin Marathon in Liechtenstein angemeldet habe, habe ich das für eine gute Idee und für machbar befunden. Immerhin war ein halbes Jahr Zeit, um mich auf einen Bergmarathon vorzubereiten, der mit 1870 Höhenmetern jedoch nicht zu unterschätzen war.
Als ich mich am 12.06.2026 in Liechtenstein einfand, war das halbe Jahr vergangen, ohne dass ich nennenswertes Training absolviert hätte. Die mentale Stärke und der Wille, vier bis fünf Trainingseinheiten pro Woche abzuleisten, sind mir bereits letztes Jahr, als ich 5 Marathons absolviert hatte, abhanden gekommen.
Da natürlich alles bereits gebucht, bezahlt und der Urlaub genommen war, holte ich mir am Freitag noch mit einer gewissen Hoffnung die Startnummer ab. Die obligatorische Pre-Race-Pizza durfte auch nicht fehlen, doch es schlichen sich erste Zweifel in meinen Kopf.
Dieser zweifelnde Kopf, der auf dem untrainierten Körper saß, begann sodann zu rebellieren. Migräne plagte mich und der restliche Körper stimmte in das Lied des Leids ein: das Knie meldete sich, die Schulter machte sich bemerkbar, der Rücken verrückte sich. All meine problembehafteten Körperteile schienen mir zuzurufen: Tu es nicht, denk nicht mal dran! Sei vernünftig!
Bei meiner Anreise war ich noch davon überzeugt, dass ich es schon “irgendwie” ins Ziel schaffen würde. Nun, die Organisatoren des LGT Alpin Marathons haben etwas gegen Menschen, die es “irgendwie” ins Ziel schaffen wollen, und haben zurecht Cut-Off-Times eingeführt. Die ersten 10 Kilometer, die noch ohne nennenswerte Höhenmeter zu bewältigen gewesen wären, hätte ich in durchaus schaffbaren 65 Minuten laufen müssen. Die darauf folgenden 15 Kilometer jedoch, in denen der Großteil der Höhenmeter anfällt, in weiteren 2 Stunden und 45 Minuten.
Ich habe die rund 1800 Höhenmeter visualisiert und mein persönlich am besten funktionierender Vergleich ist der mit dem Schneeberglauf. Dieser umfasst rund 1200 Höhenmeter auf einer Distanz von rund 10 Kilometern – und war selbst zu meiner gut trainierten Zeit enorm anstrengend. Ich habe mich nicht in der Lage gefühlt, auf 15 Kilometern diese Höhenmeter plus noch einmal rund die Hälfte davon zu bewältigen – und das im Rahmen eines Marathons.
Die Nacht war zudem katastrophal, die Kopfschmerzen verhinderten Schlaf äußerst erfolgreich. Jede Drehung ließ den Schmerz wie zähflüssiges Magma durch den Kopf rinnen. Ich verfluchte meine Faulheit, meine mangelnde Selbstkontrolle und die Umstände, die mir wochentags erfolgreich als Ausrede dienten, nicht trainieren zu gehen.
Ich habe mir den letzten Marathon in Erinnerung gerufen, den ich ohne vorheriges Training gelaufen bin: den 40. Vienna City Marathon 2023. Ich habe dafür sage und schreibe 5 Stunden, 23 Minuten und 48 Sekunden benötigt. Undenkbar, hier noch über 1800 Höhenmeter zusätzlich zu machen.
Also fasste ich noch irgendwann zwischen 2:00 und 4:00 früh den Entschluss, nicht an den Start zu gehen. Natürlich will ich einen Lauf zu Ende bringen, wenn ich starte, und das schien mir so gut wie unmöglich. Gesundheit geht zudem immer vor und selbst wenn ich meine Willenskraft hätte bündeln können, wäre mir das Verletzungsrisiko zu groß gewesen. Auch wenn nur 22% der Strecke als tatsächlicher Bergweg ausgewiesen war: Einmal umzuknicken reicht. Eine kleine Schwäche ist am Berg genug, um zu stürzen. Mit meiner Teilnahme hätte ich nicht nur meine Gesundheit gefährdet, sondern eventuell auch Rettungskräfte sowie Streckenposten bemühen müssen. Nichts lag mir ferner, als wissentlich untrainierter kleiner dicker Österreicher von einem Liechtensteiner Berg abtransportiert werden zu müssen.
Um 9:00 stand ich also am Start – als Zuschauer und mit Wehmut. Vor exakt 8 Jahren nämlich habe ich am 16.06.2018 meinen größten läuferischen Triumph gefeiert: das erfolgreiche Finishen des Mozart 100 im Salzburger Land. Dort summierten sich rund 5500 Höhenmeter auf eine Distanz von 105 Kilometern. Auch wenn mein damaliges Ziel, den Ultraläufen treu zu bleiben, heute aus diversen Gründen in unbestimmter Ferne liegt, so habe ich noch nicht aufgegeben. Der 25. LGT Alpin Marathon hätte mein Stromschlag für ein reanimiertes Trailrunning-Herz sein sollen – leider blieb die Kurve flach …
Nun kann ich etliche Gründe anführen, warum ich mir nicht die Zeit für das Trainieren genommen habe. All diese Gründe haben ihre Berechtigung, lassen sich aber mit zwei Worten trefflich beschreiben: faule Ausreden.
Also stapfte ich trotzig los, um mir zumindest wandernd ein paar Sporen zu verdienen, und machte mich auf, den Historischen Höhenweg zu beschreiten.