Liechtenstein 2026 – Tag 1

Die Anfahrt nach Liechtenstein, mit dem erklärten Ziel, am 25. LGT Alpin Marathon teilzunehmen, teilte ich auf zwei Etappen auf. Am Donnerstag fuhr ich nach getaner Arbeit zunächst nach Simbach am Inn in Bayern, das nur durch den Inn von dem aus historischen Gründen leider viel bekannteren Braunau am Inn in Oberösterreich getrennt ist. 

Bezeichnenderweise endete das stabile Hochdruckwetter mit Sonnenschein und Wärme just am Tag meiner Anreise. Bayern begrüßte mich mit einer Wand aus Wasser. Die Scheibenwischer liefen auf der höchsten Stufe, die jedoch nicht ausreichte, um dem Regenschauer Herr zu werden. Also lenkte ich mein Fahrzeug so behutsam wie möglich über mir unbekannte Straßen, um zu meiner Unterkunft zu gelangen. 

Der Gasthof war, um es freundlich auszudrücken, etwas in die Jahre gekommen, und die Terrasse glich eher einer Rumpelkammer als einer Wohlfühloase. Immerhin kam ich – ohne es eigentlich zu wollen – rechtzeitig zum Beginn des Eröffnungsspiels der heurigen Fußball-WM, die mich aus diversen Gründen zwar nicht sonderlich interessierte, aber nun ja: Immerhin funktionierte die SAT-Anlage, die prominent auf dem Terrassengeländer montiert war und den Blick auf die Dorfkirche einrahmte.

„Windshield wipers slappin’ time“, textete Kris Kristofferson 1969, aber ich hatte keine Bobby McGee, deren Hand ich halten konnte. Am nächsten Tag hielt ich stattdessen lediglich das Lenkrad umklammert und fuhr die restlichen rund 400 Kilometer nach Bendern in Liechtenstein durch den strömenden Regen, der erst bei meiner Ankunft endete. Gutes Timing – dennoch war mein Kopf von dem Gewische und Geprassle ganz schwummrig geworden. 

Da ich noch drei Stunden Zeit hatte, bevor ich im Hotel einchecken konnte, erkundete ich Bendern. Bendern bildet gemeinsam mit Gamprin die drittkleinste politische Gemeinde Liechtensteins, und so gibt es in dem etwas über 1.600 Einwohner zählenden Ort zwar etwas, aber nicht allzu viel zu entdecken. 

Geschichtsträchtig ist der Ort dennoch, denn auf dem Kirchhügel von Bendern schworen am 16. März 1699 die Männer aus dem Liechtensteiner Unterland erstmals dem Fürsten von Liechtenstein die Treue. Man könnte den Ort daher durchaus als eine der Geburtsstätten Liechtensteins bezeichnen. Teil des durchaus sehenswerten Ensembles sind auch das alte Pfarrhaus und die Statthalterei. 

Begeistert hat mich die naturnahe Gestaltung des Ortes. Es gibt hier im öffentlichen Raum so gut wie keine Rasen- oder gar Kiesflächen, sondern überwiegend Blühstreifen. Es gibt Initiativen wie „Gemeinsam gegen Neophyten“, die sich dem Kampf gegen eingeschleppte Pflanzenarten widmen, und auch das Parkhaus glänzt mit begrünter Fassade und Photovoltaik. Obwohl es zum Beispiel in Wien bereits Bemühungen in diese Richtung gibt, könnte sich meine Heimatstadt Wiener Neustadt ein großes Stück von dieser Haltung abschauen. 

Unter dem Kirchhügel befindet sich eine Marien-Lourdes-Grotte und – interessanter – sichtbare Gletscherschliffe aus der letzten Eiszeit auf den Steinen unterhalb der Statthalterei.

Trotz des insgesamt sehr gepflegten Erscheinungsbildes des Ortes gibt es dennoch bautechnische Behelfslösungen, wie auf diesem Bild zu sehen. 

Liechtenstein 2026 - Bendern Improvisation
Liechtenstein 2026 – Bendern Improvisation

Um 16 Uhr war es endlich so weit: Das Self-Check-in-Terminal akzeptierte meine Anwesenheit, und ich konnte mein Zimmer beziehen. Positiv hervorzuheben war neben dem geräumigen und gut ausgestatteten Zimmer vor allem, dass Hotels in dieser Region aus „gesetzlichen Gründen (Energiesparen)“ keine Klimaanlagen haben dürfen und daher mittels Bauteilaktivierung gekühlt wird. Ich dachte dabei ein wenig beschämt an meine laufenden Projekte, bei denen haustechnisch weniger sorgsam mit energetischen Fragen umgegangen wird. 

Anschließend holte ich mir meine obligatorische Pre-Race-Pizza. Wie es mit dem eigentlichen Grund meines Aufenthalts weiterging, kann hier nachgelesen werden. 

Liechtenstein 2026 - Bendern Pizza
Liechtenstein 2026 – Bendern Pizza