Liechtenstein 2026 – Tag 3

Zu meiner bereits in den vorherigen Berichten erwähnten Begeisterung für die liechtensteinischen Ortschaften kommt noch der Umstand hinzu, dass Liechtenstein seinen nächtigenden Besuchern einen kostenlosen „Welcome Erlebnispass“ spendiert. Dieser bietet nicht nur diverse Ermäßigungen, sondern auch die kostenlose Benutzung des öffentlichen Busnetzes. 

Dies nutzte ich gleich für eine Fahrt in die Hauptstadt Vaduz. Erste Station war sogleich das Schloss Vaduz, das erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts umfassend renoviert wurde und seither als Wohnsitz der Fürstenfamilie dient. Das Schloss liegt rund 120 Meter über der Stadt, und so schnaufte ich den steilen Berghang hinauf, belohnt durch schöne Ausblicke auf die darunterliegende Stadt und die Berge auf Schweizer Seite. 

Danach stattete ich dem sogenannten Roten Haus einen Besuch ab. Das im Spätmittelalter errichtete Gebäude zählt zu den bedeutendsten historischen Bauwerken Liechtensteins. In der Nähe befindet sich auch die Hofstätte Hintergass, deren Baugeschichte im Jahr 1494 ihren Anfang nahm. Doch nicht nur das Mittelalter ist in Vaduz erhalten: Auch die 1970er-Jahre sind durch – heute nicht mehr ganz so ansehnliche – Gebäude vertreten, und ebenso verewigt sich die Moderne durch so manches Bauvorhaben. 

Auf dem Weg zurück ins Tal boten sich immer wieder schöne Ein- und Ausblicke, unter anderem auf den Torbogen, der den Eingang zum Restaurant Torkel markiert. Torkel kommt dabei nicht vom übermäßigen Genuss des Weins aus der Hofkellerei des Fürsten von Liechtenstein, sondern bezeichnet eine Weinpresse und leitet sich vom lateinischen Verb torquere (drehen, winden) ab. Diese Erklärung ist zwar einleuchtend und wissenschaftlich fundiert, dennoch bevorzuge ich die alkoholbedingte Gangart als Herleitung. 

Zurück im Tal schlenderte ich durch die Fußgängerzone, deren Boden mit Abbildern liechtensteinischer Briefmarken verziert ist. Auch anderweitige Kunstwerke lassen sich auf dem Weg vom Städtle-Kreisverkehr zur Kathedrale St. Florin entdecken. Dazwischen liegt der Neubau des Landtagsgebäudes, das 2008 eröffnet wurde und sich trotz seiner modernen Prägung harmonisch und zugleich prägnant in das Ortsbild einfügt. 

Die Kathedrale St. Florin wurde im neugotischen Stil errichtet und bildet den Abschluss der historischen Innenstadt. 

Ich verließ Vaduz sodann in Richtung Alte Rheinbrücke, einer 135 Meter langen Holzbrücke über den Rhein, der hier die Grenze zur Schweiz bildet. Sie ist die letzte noch erhaltene Holzbrücke über den Alpenrhein. 

Dort beschloss ich, den Weg zurück zum Hotel zu Fuß zurückzulegen, und folgte dem Rheindamm mit seinem fantastischen Blick auf die Bergwelt bis nach Bendern. 

Die Stunde des Abschieds vom viertkleinsten Staat Europas und sechstkleinsten der Erde war gekommen. Nach drei Tagen in Liechtenstein führte mich die nächste Etappe meiner Reise in den bayerisch-schwäbischen Landkreis Ostallgäu. Übernachtet wurde allerdings auf österreichischer Seite, unweit von Reutte in Tirol.