160 Zeichen

SMS-Literatur auf kleinstem Raum

2001 nahm ich an einem Wettbewerb teil. Unter dem Titel „160 Zeichen“ wurde „Literatur auf kleinstem Raum“ gesucht, prämiert und eine Auswahl der Werke als Anthologie veröffentlicht. Zwar konnte ich keinen der mit bis zu 500 DM dotierten vorderen Plätze erringen, aber ich glaube im Nachhinein, dass diese erzwungene Limitierung meinem künftigen Schreiben förderlich war.

Was vorher ausschweifend, schwatzhaft gar und zuweilen redundant auf vielen Zeilen ausgewalzt wurde, musste nun reduziert, zusammen- und ausgequetscht werden um, Wort auf Wort komprimiert, weiterhin Sinn ergeben.

kommen
gehen
still
stand
aus 
flucht 

Obiges kleines Beziehungsdrama in sechs Wortzeilen wurde ebenso veröffentlicht wie nachstehender Versuch, in dem der Jugendliche noch klischeebehaftet flammen wollte, ohne je selbst gebrannt zu haben.

ich stehe in flammen
lichterloh
die stimme flüstert
brenn für mich 
ich brannte aus 

Den Sinn und auch die Worte zerlegen und neu zusammensetzen, die Essenz des Gedankens extrahieren: Das begann ich damals zu lernen. Nicht, dass ich heute behaupten würde, gut schreiben zu können. Dafür bin ich wahlweise zu schlecht oder zu bescheiden. Einen gewissen Fortschritt gestehe ich mir allerdings in aller Selbstgefälligkeit zu.

Es ist nett, ein kleines Büchlein mit echter ISBN-Nummer zu besitzen, in dem der eigene Name als Autor angeführt ist. Ich könnte daher herumlaufen und mit selbstbewusster Stimme rufen: „Ich bin ein veröffentlichter Schriftsteller!“ Was ich hiermit auch tue – mit Augenzwinkern.