rinnsal

sie wäscht ihre wäsche in schmutzigem wasser
unter vielbegangenen brücken aus stein;
liegt offenen auges in fremden lagern
und hört die versprechen, die man ihr macht.

sie tanzt ausgelassen mit wundmüden beinen,
summt alte lieder in dunkler nacht;
liebt ohne reue die flüchtigen lächler,
die kamen und gingen und kommen und gehen.

sie träumt sich ein zimmer mit blick in den süden,
ein sonniges plätzchen für sich allein;
doch kehrt stets zurück zu ihrem rinnsal
unter vielbegangenen brücken aus stein.

jh 2003-2026