[WNNS3845] – Ehemalige Rax-Werke: Lehrwerkstatt
Mein privates Projekt [WNNS3845] beschäftigt sich mit heute noch sichtbaren Bauten und sonstigen Relikten im Stadtgebiet von Wiener Neustadt, die aus der Zeit des Nationalsozialismus stammen, für das NS-Regime von Bedeutung waren oder von ihm genutzt wurden.
Wiener Neustadt war nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich eine bedeutende Industrie- und Rüstungsstadt. Insbesondere die Wiener Neustädter Flugzeugwerke und die Raxwerke machten die Stadt zu einem Ziel der alliierten Luftkriegsführung. Zwischen August 1943 und April 1945 wurde Wiener Neustadt in 29 Luftangriffen von knapp 56.000 Bomben getroffen. Von rund 4.200 Gebäuden blieben lediglich 18 völlig unversehrt; mindestens 1.000 Menschen kamen ums Leben. Wiener Neustadt galt bei Kriegsende als die am stärksten zerstörte Stadt Österreichs.
Dieser Teil der Stadtgeschichte ist im heutigen Stadtbild so gut wie nicht mehr präsent oder wird nur dann sichtbar, wenn man weiß, wonach man suchen muß. Zwar gibt es einzelne Gedenkstätten und Hinweistafeln, die Dimension dieses Kapitels der Stadtgeschichte ist im öffentlichen Raum aber kaum mehr nachvollziehbar.
Daher habe ich im Rahmen meiner Möglichkeiten recherchiert und die dabei ermittelten Orte besucht – soweit das legal möglich war. Meine Eindrücke dazu sowie einige historische Fakten möchte ich hier präsentieren.
Ehemalige Rax-Werke: Lehrwerkstatt
Es ist nicht unbedingt die Schokoladenseite des heutigen Wiener Neustadts: die Stadionstraße zwischen der Pottendorfer Straße und der Wiener Straße. Die Stadionstraße heißt nur mehr aus historischen Gründen so, denn das Stadion wurde 2020 abgerissen. 2024 folgte übrigens der Abbruch des Lagerhauses.
Neben einer Waschstraße befinden sich auf der südwestlichen Seite der städtische Friedhof sowie ein königlicher Schnellimbiss, auf der anderen Seite hauptsächlich leerstehende oder leerstehend wirkende Hallen. Anfang 2025 schloss nach dem Konkurs von kikaLeiner auch die Kika-Filiale und folgte somit dem Beispiel eines Autozubehörhändlers. Das daher leer stehende Gebäude fügt sich nun gut in das Ortsbild ein. Eine Filiale einer bekannten österreichischen Kette von Erotik- und Lifestyle-Shops scheint diesen Umständen aber bislang zu trotzen, auch wenn der Weg dorthin über unkrautüberwucherte Parkplätze führt.

In den Leerstand geriet auch das 1998 eröffnete Wiener Neustädter Comic-Museum, das bereits 1999 wieder schließen musste. Der Standort des nicht sehr erfolgreichen Museums wurde jedoch für mein Projekt WNNS3845 äußerst interessant. Es war nämlich in der Halle der ehemaligen Lehrwerkstatt des Wiener Neustädter Rax-Werkes angesiedelt. Das heute noch vorhandene Gebäude diente während der Zeit des Rax-Werkes als Lehrwerkstatt für die innerbetriebliche Ausbildung von Facharbeitern.

Die prägnante Fassadengestaltung, welche dem zunehmend überwucherten Parkplatz zugewandt ist, stammt aus der Zeit des Comicmuseums. Die Grundstruktur des Gebäudes scheint dagegen noch weitgehend aus der Zeit der Lehrwerkstatt zu stammen.

Aus einer Erinnerung des Zeitzeugen Erich Böröcz, veröffentlicht in „Freie Österreichische Jugend“, lässt sich schließen, dass die Lehrwerkstätte auch nach dem Krieg noch betrieben wurde. Es liegt nahe, das Ende der Lehrwerkstatt mit der späteren Stilllegung des Werkes in Verbindung zu bringen. Gesicherte Informationen dazu liegen mir allerdings nicht vor.

Heute ist das Gebäude offensichtlich verlassen und beginnt zunehmend zu verfallen, auch wenn die bauliche Struktur noch relativ gut erhalten zu sein scheint. Es ist schade, dass ein Gebäude, das einen Weltkrieg überstanden hat, heute unter ganz anderen Umständen seinem Niedergang entgegensieht.

Falls Sie dieses Gebäude aufsuchen möchten: Wenn Sie rechter Hand den Einmannbunker passieren, sind Sie bereits an der ehemaligen Lehrwerkstatt vorbei. Bitte wenden.