Geisterklamm 2026

Es gibt viele Überlieferungen darüber, wie man Geister beschwören und Dämonen anlocken kann. Zumeist sind diese Rituale recht kompliziert und erfordern die genaueste Einhaltung aller Vorschriften, da es sonst zu – mehrfach verfilmten – Katastrophen kommen kann. Mich anzulocken ist hingegen einfach: Benennen Sie irgendetwas nach Hölle oder Teufel, denn dann muss ich dorthin.

Daher war eigentlich die Höllentalklamm in der Nähe der Zugspitze die engere Wahl für die nächste Station meiner Reise. Aus inzwischen mir selbst unbekannten Gründen entschied ich mich jedoch für die sogenannte Geisterklamm.

Geisterklamm! Dort muss ich hin.

Ich musste lernen, dass die Geisterklamm exakt dasselbe ist wie die Leutaschklamm und nur deshalb Geisterklamm heißt, weil man sie kindgerecht gestaltet und ausgeschildert hat, um sie für junge Besucher attraktiver zu machen. Trotzdem:

Geisterklamm! Dort muss ich hin.

Und gegen 9 Uhr morgens kam ich auch dort an.

Die Klamm befindet sich im Grenzgebiet zwischen Bayern und Tirol. Ausländische Touristen müssten für die Wanderung daher eigentlich zwei Visa benötigen.

Geisterklamm 2026 - Leutschachklamm
Geisterklamm 2026 – Leutschachklamm

Erst 2006 wurde die wildromantische Schlucht durch einen 970 Meter langen Stahlsteg erschlossen.

Geisterklamm 2026 - Leutschachklamm
Geisterklamm 2026 – Leutschachklamm

Ausgehend vom Klammstüberl erklomm ich die Klamm über den Klammsteig, der zum eigentlichen Klammeinstieg und dem Klammsteg führt. Meine Finger wurden klamm, als ich die Klamm erklomm, und ich klammerte mich klammheimlich an die Klammkonstruktion, um nicht einem nicht klammernden Klammeraffen gleich abzustürzen.

Es klamm, wie es klammen musste: Ich klamm, klomm und knipste. Oder, um es mit den Worten der alten Römer zu sagen: Klammi, klommi, knipsi.

Die Ausblicke waren durchaus beeindruckend, und das Rauschen des Wassers wirkte beruhigend auf mich – trotz der mit fortschreitender Stunde immer zahlreicher werdenden Besucher. Ich musste lernen, dass es offenbar nicht mehr Usus ist, sich beim Wandern zu grüßen. Also unterließ ich diese oft unerwiderte Höflichkeit und grüßte nur noch zurück, wenn ich zuerst gegrüßt wurde.

Zwei Brücken überspannen die bis zu 75 Meter tiefe Schlucht, und alle paar Meter musste ich in die Tiefe blicken, um dem abwechslungsreichen Verlauf des Wassers zu huldigen. Der Klammgeist offenbarte sich mir nicht. Vermutlich war er auch ziemlich beschäftigt, denn die Klamm war gut besucht.

Für den Rückweg wählte ich die einfacher zu begehende Forststraße, die mich wieder zum Klammstüberl führte. Von dort aus ist auch noch der Wasserfallsteig erreichbar, der rund 200 Meter in die Schlucht hinein bis zu einem 23 m hohen Wasserfall führt. Dafür werden fünf Euro Eintritt fällig, die ich gerne bereit war zu bezahlen, denn die Erhaltung dieser Stege dürfte einen gewissen Aufwand verursachen – und der Klammsteig selbst ist ohnehin kostenlos benutzbar.

Die Wolken hatten sich mittlerweile verdichtet, und es begann bereits zu regnen, als ich mich auf dem Weg zurück zum Parkplatz befand.

Perfektes Timing für das Ende dieser Reise – denkbar schlechtes Timing für die sechsstündige Heimfahrt.