Böhmische Schweiz 2024 – Tag 5
Adersbacher Felsenstadt
Der letzte Tag unserer Reise führte uns in die Adersbacher Felsenstadt (Adršpašsko-Teplické skály).
Da sie als das größte Felsenlabyrinth Tschechiens beworben wird, waren wir entsprechend gespannt auf das, was uns erwartet. Das Wetter meinte es jedenfalls gut mit uns, denn dies war der erste Tag unserer Reise, an dem es durchgehend sonnig und warm war.
Die Eintrittskarten und das Parkticket hatten wir bereits online gekauft – und das kann ich nur empfehlen, um längere Wartezeiten oder volle Parkplätze zu vermeiden.

Erschlossen wurde das Gebiet erstmals im 16. Jahrhundert; 1790 stattete Goethe einen Besuch ab. (Wo war der eigentlich nicht?)
Nach einem verheerenden Waldbrand 1824 wurden die markanten Felsformationen noch deutlicher sichtbar. In der Folge wurden im 19. Jahrhundert erste Wanderwege angelegt, Adersbach als Erholungs- und Klettergebiet genutzt und 1933 schließlich unter Naturschutz gestellt. Die Adersbacher Felsenstadt ist aktuell als Kandidat für eine UNESCO-Welterbestätte gelistet.
Nach dem Eingang in den Naturpark, den man nach dem Überqueren der viel fotografierten Gleise des nahe gelegenen Bahnhofs erreicht, kann man nicht nur die traumhafte Natur genießen und einen Blick auf den Kristallsee (einen ehemaligen Sandsteinbruch) erhaschen, sondern auch bereits die ersten benannten Felsengebilde wie etwa den Zuckerhut bewundern.

Auf dem rund 3,5 Kilometer langen Rundweg kommt man an vielen weiteren Formationen vorbei, die klangvolle Bezeichnungen wie „Liebespaar“, „Bürgermeister“, „Großvaterstuhl“ oder „Rübezahls Zahnstocher“ tragen. Der eigenen Fantasie sind aber natürlich keine Grenzen gesetzt, selbst Gesichter oder Penisse zu entdecken.
Durch das Gotische Tor betritt man schließlich das Herzstück der Felsenstadt.

Die Adersbacher Felsenstadt wirkt wie eine Filmkulisse aus einem Fantasy-Epos. Einmal durch das Tor geschritten, warten zwar keine Orks, Oger oder Zwerge hinter der nächsten Biegung, aber dafür anderweltliche Steinformationen.

Das Tor wurde 1839 erbaut, als Ludvík Karel Nádherný die ersten Wanderwege, Brücken, Stege und Treppen errichten ließ. Der Wanderweg ist durchgehend gut begehbar; allerdings sind etliche Stufen zu überwinden sowie eine Engstelle – die rund 50 cm breite Felsritze namens „Mauseloch“.

Mit einer Bootsfahrt könnte man den kleinen See erkunden; das haben wir aus Zeitgründen ausgelassen – mit dem Hintergedanken, dass wir diese phänomenale Landschaft nicht nur einmal besuchen wollen.
Der Abfluss des kleinen Sees ist der sogenannte Große Wasserfall mit 16 Metern Höhe, der jedoch, weil reguliert, wohl nur in manchen Fällen tatsächlich „in eine Felsklamm stürzt“ und meist eher nur rinnt. Dem zauberhaften Anblick tut das jedoch keinen Abbruch.

Das gesamte Gebiet der Felsenstadt ist rund 18 Quadratkilometer groß und bildete sich im Verlauf der Kreidezeit vor etwa 145 bis 66 Millionen Jahren. Mit diesem Wissen im Hinterkopf – und der Tatsache, dass über Jahrmillionen die Erosion die einst einheitliche Sandsteinplatte zu dieser atemberaubenden Landschaft mit ihren bis zu 100 Meter hohen Formationen geformt hat – wird man unweigerlich nachdenklich und demütig.

Adersbacher Felsenstadt - Phantasie!
Adersbacher Felsenstadt
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Adersbacher Felsenstadt
Adersbacher Felsenstadt - Totenkopf
Adersbacher Felsenstadt - Totenkopf
Adersbacher Felsenstadt
Adersbacher Felsenstadt - Liebespaar
Adersbacher Felsenstadt
Adersbacher Felsenstadt - Bürgermeister und Frau
Adersbacher Felsenstadt
Adersbacher Felsenstadt
Adersbacher Felsenstadt
Adersbacher Felsenstadt
Wer sowohl solche Landschaften als auch polnischen Death Metal mag, dem sei das Musikvideo zu „Bartzabel“ der Band Behemoth empfohlen, das in der Felsenstadt gedreht wurde.
Homepage der Felsenstadt: https://www.adrspasskeskaly.cz
Mit vielen positiven Eindrücken traten wir danach die rund sechsstündige Rückreise an.
Erwähnenswert bleibt, dass die einzige brenzlige Situation des rund 1.350 Kilometer langen Roadtrips auf der Wiener Tangente stattfand. Willkommen zurück in Österreich!