[Prosa] la niebla roja

la niebla roja

der Zug quietscht und zittert, als er in den Bahnhof einfährt; dunkel, dämmrig, Rauchschwaden und fahle Beleuchtung. viele hektische Menschen, aschgraue Gesichter, ausdruckslos, gestenfrei drängen sie sich durch sich selbst hindurch, hinweg zu etwas Dringendem. die Stadt selbst Einöde, Betonbunker und wenig Licht, Smog, Gase, abGase und Rauch aus Fabrikschloten. das Zentrum pulsierend, neonLicht, grün, gelb, blau, rot, rot, rot … ROT

der rote Fluß umspielt die Stadt wie ein Seidenschal den schlaffen Hals einer ehemaligen Schönheit aus einem heruntergekommenen Bordell … riesige menschenfressende Fische; schwarze Quallen sondern Gift ab und kleine Fischerboote werden von gigantischen Kalmaren zerquetscht … der lebende Nebel aus dem Fluß strömt gnadenlos seinen Opfern entgegen und zersetzt zuerst ihre Lungen – sie husten noch drei Mal und spucken Blut und fallen dann um; ohne innere Organe, nur mehr Hauthülle und Knochengerüst … irgendwann wird es der Nebel schaffen auch die Knochen zersetzen zu können; dann gnade uns der rote Fluß oder wir sind auf ewig sein.

Er steigt aus, hat eine alte Tasche, sieht heruntergekommen aus. eingefallene Wangen, schwarzumrandete, graublaue Augen, fettige, stähnige Haare, ausgewaschene schwarze Jeans und eine zerrissene Jacke aus sprödem Leder… geht ziellos umher, raucht in kurzen, heftigen Zügen eine Zigarette … eine Zigarette? … die Menschen verschwinden, Er alleine in der tristen Bahnhofshalle, graues Licht, schmutziger Steinboden und besprayte Betonwände … „NO HOPE“ … „beon lom“„state of mind : INSANITY“
ein alter verrosteter Wagen hält stotternd … Er steigt ein, muffige Luft, ZigarettenRauch, auf dem Boden leere Bierdosen, Zigarettenstummel, Flaschen und zertretene Chips … „wo wohnst Du?“ „nicht weit von hier“ … lange Fahrt, es wird kaum gesprochen, auf der Stadtautobahn wird der untergegangenen Sonne hinterhergejagt, geisterhafte ScheinWerfer rasen auf der falschen Seite des Himmels und der Straße, links und rechts dunkelgraue GebäudeLeichen, Fabrikhallen, Glashäuser mit eingeworfenen Scheiben, von unKraut überwucherte leere Parkplätze, ausgebrannte Autos, zerbombte Traumhäuser …
„was machst Du heute?“ „nichts. kannst bei mir wohnen, so lange Du willst.“ will Er? ja, Er will. steigen aus, der Verputz des Hauses fällt schon überall ab, schwarze FensterAugen, abblätternder schleimgrüner anStrich, die Eingangstür aus schwerem Holz, wurmzerfressen … die enge alte steile Treppe hinauf (zum grellen staubversetzten licht am ende des wendeligen aufGangs) zu einem kleinen Zimmer, zuFluchtsstätte der reisenden Irren und statisch Flüchtenden … alles, nur kein helles LICHT! die Jalousien geschlossen oder schmutzige, spermabefleckte blutverschmierte Leintücher als vorHänge, verkrustetes Geschirr, braunes Wasser aus dem lebenden Ausguß („spiel mit mir, Junge, mein Durst ist mörderisch„) … Insekten, Spinnen und Termiten, groß wie Leguane, verschwinden schneller als der flüsternde Windhauch, der muffige Luft vor sich hertreibt… kein Morgen, nur heute, nur Jetzt! gib mir was und lebe mit mir, nur EINmal, nur einmal, für immer und ewig und ewig und …… flüchtendes Leben, der Tod war gestern und ist MORGEN. ALLES, nur kein helles LICHT! oder schlechte Reisen ans andere Ufer der wahrNehmung..

enge, dreckige Straßen, schlammige Rinnsäle an beiden Seiten, Ratten kämpfen um Kotze und dreibeinige Hunde kläffen ihr armseliges Leben aus dem kranken Leib… mehr noch Mensch als Ich es je war… gib Mir das ewige Verlangen nach mehr! gib Mir den ewigen Zustand – den ewigen Rausch … gib Mir mehr, gib Mir, gib!
eine kleine Tür, aus der große, heftige allumfassende Musik dröhnt – GIB MIR MEHR! – das Schild („Ei gang“) hängt nur mehr an einer Schraube (hing es je an mehr?) verrostet und verbeult, der Türgriff, der Spalt, die Öffnung, das Leben in sich … Ich gleite hinein und werde von der pulsierenden Masse mitgerissen, eingeführt in einen Traum bester Qualität … viele Stiegen ins Nichts und ins All, Türen nach und von nirgendWo und über-All. innerlich und außen gleich, das ganze Spektrum des Seins, hier, JETZT! GIB MIR MEHR!
das Verlangen stellt sich ein, umklammert Mich und hält Mich fest … Ich werde eingezogen, rekrutiert für die Armee der selbstgerechten Spinner – gerneral Chaos befiehlt mir: „geh dort rüber und frag sie, dring in sie ein, w.erde sie, Du bist Sie!“ Ich muß gehorchen – Ich bin Er, Sie Wir Alle sind, Wir SIND sind.
Sie lächelt schleimig, hübsch und geil, schleckt Ihre Lippen ab, speichelfäden auf der Brust und zwischen den ..lippen, fragt „DU WILLST?“ und gibt – Sie kennt die Antwort – es gibt nur EINE Antwort…. „was machst Du?“ „verkaufe Mein nichtLeben an die, die nicht leben … niemand lebt wirklich, Sie vegetieren, Tiere, wie in Zwingern aus Luststahl und Vaseline eingepfercht … Er.leben ist nur Illusion, Du bist nicht, Ich bin nicht, Wir SIND nur … kenne keine Skrupel, wenn es darum geht JA zu sagen … nimm …“ Sie geht und läßt den typischen tyrannischen Geruch zurück, den Geruch des Danach und des Davor, Dazwischen nur die erInnerung an wie-es-sein-könnte-wennnn … GIB MIR MEHR! – Sie gibt …

Waschraum – groß und ungemütlich, schwarz-weiße SchachbrettFliesen, glänzen, leben, bewegen sich zum Takt meines Herzschlages … bumm – tiefer ins Ich – bumm-bumm – Gefangener des Ja -schau nicht in den Spiegel, schau NIE IN DEN SPIEGEL … tu es nicht! BUMM-BUMM-BUMM „Das Bin Nicht ICH!“ schreit Er und „DAS bin nicht ICh!“ „Das KANN nicht Ich sein!“ schreit Er und schlägt verzeifelt auf den Spiegel ein, bricht nicht … „doch, das bist Du!“ brüllt das spiegelBild und schluckt den Betrachter – GIB MIR MEHR! … die Frauenkatze auf dem Boden (Tigerkatze, grau-weiß-braun) räklet sich und streckt sich, gähnt und wird zu einem Mosaik aus Fleisch und Fellquadraten, schnurrt und der Spiegel saugt sie ein

die Höhle außerhalb der Zeit …
vier alte abgemagerte Musiker spielen nackt auf unbekannten afrikanischen Insrumenten April in Paris und 7 junge Mädchen helfen beim masturbieren … Opiumduft und drei Makakiaffen tanzen den Twist … Ich stehe dort und denke (nicht!) … das Leben ist ein Fluß und Meiner steht still … feinste Nuancen von außerhalb der Zeit .. der SchmetterlingsEffekt der Stille – alleszerstörerische Urgewalt … der Lauf der Dinge ist angehalten, die Sonne strahlt nicht, ist nicht, war nicht … nichts ist Zeit, Zeit ist Nichts … NACHT als Weg zum Universum? Nebel kommt und Ich LAUFE; la niebla roja kommt und zersetzt alles! stärker, schneller, leiser als je zuvor; aber Ich laufe und laufe; zurück (woher kam Ich?)

Morgendämmerung; der blechene Wurm wird immer länger und lauter und Ich gehe durch vergessene Parks, durch Menschen ohne Gesichtern hindurch und treffe absolut nichts und niemanden, den Ich kenne, kennen sollte, erkennen sollte (könnte), immer nur nach Gefühl (?) gehen, immer weiter, nur nicht denken, Du kommst schon an, wenn Du nur lange genug gehst; gehe eine Million Mal um die Erde und schon bist Du da, mach dir keine Sorgen, es gibt keinen Morgen, es gibt nur Jetzt und es gibt nur Jetzt und es gibt nur … „Du bist eine Gefahr für meinen Ruf, Ich habe einen guten Ruf, und Du machst meinen guten Ruf kaputt, Du Arschloch“ meint Er und setzt sich einen Schuß vor Meinen Augen und den Augen Seiner Mutter, die an einem akuten Entzug von Hoffnung stirbt .. „Du machst meinen Ruf kaputt“ „Ich habe keinen Ruf mehr“ „Meinen Ruf Machst Du KaPutt, Du kleines geiles Wesen!“ Er will Mich … Ich gehe … wieder … und der Mond fällt auf die Erde, zerquetscht Nichts, geht hindurch durch Alles, „Wir waren nie dort, Hollywood war dort und die Russen wissen nicht einmal, wie man … es ist alles nur ein Spiel …. spiel doch mit, Wir geben Dir das Geld! … Wir produzieren Dir den Andromedanebel… live und hautnah …
gehe weiter durch diese graue, durchsichtige Stadt mit ihren grünen Parks und kleinen, spielenden Kindern hinter hohen Hecken und Irrenhäusern und diesen Dosenfabriken für blutiges Fleisch und den kleinen Hunden mit wedelnden Schwänzen und den Aquarien mit Goldfischen und kleinen Muscheln und Perlen und Zigarettenwerbung und Polizeiautos und Ampeln und leeren Whiskeyflaschen und lebensmüden Strichgängern und irgendwann … GIB MIR MEHR! dann, wenn nichts mehr da ist, wenn alles vorbei ist und Alles zum Anfang gefunden hat, dann .

der Zug zittert und quietscht, als er in den Bahnhof einfährt. finstere, dämmrige Atmosphäre, rauchSchwaden und blinkende, nervende weiße Neonbeleuchtung. viele hektische Menschen, blutrote Gesichter, bösartig fluchend stoßen Sie sich selbst hinweg und hasten weiter, weiter zu etwas Wichtigem. die Stadt selbst ist Einöde, riesige Betonbunker und wenig Licht, Smog, Gase, abGase und beißender Rauch aus halbverfallenen Fabrikschloten. das Zentrum pulsiert – Gallerte aus neonLicht, grün, gelb, blau, rot, rot, rot … ROT

der rote Fluß umfaßt die Stadt wie ein Seidenschal den laschen Hals einer ehemaligen Schönheit aus deinem heruntergekommenen Bordell, die der falsche Verehrer ins Bett geholt hat („Ich steh auf sowas, es macht Mir spaß, zu sehen, wie Sie sich wehren und wie Sie blau werden und die Augen herquellen und Sie pissen und Sie scheißen sich an und dann … ach…„) … riesige menschenfressende Fische springen aus dem Wasser und beißen Touristen mit roten Mützen die Extremitäten ab; und schwarze Quallen sondern Gift ab und der durstige Wanderer stirbt als Ihm der Magen zersetzt wird; und kleine Fischerboote voller Wartender werden von gigantischen Kalmaren zerquetscht … der denkende Nebel aus dem Fluß strömt unentwegt Seinen Opfern entgegen und zersetzt zuerst ihre Lungen – Sie husten noch zwei Mal und spucken Blut und fallen um, ohne innere Organe, und die Haut löst sich auf und die Knochen werden zu ekelhaft stinkendem Brei … irgendwann wird es der Nebel schaffen aus der Stadt auszubrechen, dann gnade Uns der rote Fluß oder Wir sind auf ewig Sein.

Er steigt ein, hat eine uralte Tasche, sieht sehr heruntergekommen aus. eingefallene Wangen, dunkelschwarzumrandete, graue Augen, fettige, stähnige weiße Haare, ausgewaschene, dreckige schwarze Jeans und eine zerrissene Jacke aus sprödem Leder… la niebla roja kommt!

© jh 2001-2003

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